Die grauen Mönche von Klaarkamp
Im Mittelalter war Schiermonnikoog ein Außenhof des Zisterzienserklosters Claercamp (Klaarkamp) bei Rinsumageest, unweit von Dokkum.
- Der Name: die Mönche trugen graue Kutten; schier bedeutet grau und oog Insel, Schiermonnikoog ist also die Insel der grauen Mönche.
- Deichbauer: die Mönche waren als Landerschließer bekannt, die Land eindeichten und bewirtschafteten.
- Erste Erwähnung (1440): der Name Schiermonnikoog wird erstmals 1440 in einer Urkunde von Philipp von Burgund genannt.
- Ende des Klosters (1580): als Friesland 1580 protestantisch wurde, verlor das Kloster seine Besitzungen, und die Insel ging an die Staaten von Friesland.
De Schiere Monnik: zur Erinnerung an die Mönche steht seit 1961 im Dorf das Standbild De Schiere Monnik von Martin van Waning.- Mönche wieder da (2019): seit 2019 leben wieder Mönche auf der Insel, im ehemaligen Landhaus Rijsbergen, heute Kloster Schiermonnikoog.
Eine Insel in privater Hand
Aus Geldmangel verkaufte Friesland die Insel 1638, und bis 1945 war Schiermonnikoog danach Privatbesitz.
- Die Familie Stachouwer (1640 bis 1859): über zwei Jahrhunderte gehörte die Insel der Familie Stachouwer, die das Land an die Insulaner verpachtete.
- Die Freule: Catharina Maria Stachouwer, zwischen 1741 und 1761 Besitzerin von zwei Dritteln der Insel, nannte sich Freule von Schiermonnikoog und geriet durch ihr eigenwilliges Auftreten immer wieder mit den Bewohnern aneinander.
John Eric Banck (1859 bis 1893): der Haager Banck ließ einen neuen Wattdeich anlegen, wodurch der Banckspolder entstand, und die Dünen mit Strandhafer gegen Flugsand bepflanzen; die steinerne Bank van Banck auf dem Deich erinnert noch heute an ihn.- Die Grafen von Bernstorff (1893 bis 1945): 1893 kaufte der deutsche Graf Berthold von Bernstorff die Insel für 200.000 Gulden und ließ die Nadelwälder anpflanzen; die Insel blieb danach in Familienbesitz.
- Beschlagnahmt (1945): am 27. Dezember 1945 beschlagnahmte der niederländische Staat die Insel als Feindvermögen; der letzte Graf erhielt erst 1983 eine Entschädigung vom deutschen Staat.
Westerburen: das Dorf, das im Meer verschwand
Das ursprüngliche Dorf Westerburen lag an der Stelle des heutigen Westerstrand im Westen der Insel.
- Langsam nach Osten: schon 1570 mussten die westlichsten Häuser verlassen werden, und die Bewohner bauten weiter östlich neue Häuser, in Oosterburen und der Molenbuurt.
- Eine Kirche, eine Mühle und vierzehn Häuser: auf einer Karte aus dem 17. Jahrhundert sind noch eine Kirche, eine Mühle und vierzehn Häuser eingezeichnet, doch ab 1650 standen die Häuser immer öfter unter Wasser.
- Von Stürmen weggespült: ab 1717 rissen schwere Stürme ein Haus nach dem anderen fort, um 1720 war Westerburen verlassen, und am zweiten Weihnachtstag 1760 verschwanden die letzten Häuser im Meer.
- Ein neuer Name (1843): das neue Dorf, zunächst Nye Dorp genannt, erhielt 1843 offiziell den Namen Schiermonnikoog.
Got Tjark (1866): im neuen Dorf entstand 1866 die Kirche Got Tjark, im Inseldialekt „große Kirche“; der steinerne Turm kam 1909 hinzu, und auf dem Kirchhof liegt der Bildhauer Martin van Waning begraben.
Seefahrt, Seefahrtschule und Walfang
Zwischen 1600 und 1850 lebten die meisten Insulaner von Fischerei und Schifffahrt, dazu bewirtschafteten sie ein Stück Land mit Ackerbau und Vieh.
- Von der Fischerei zur Handelsschifffahrt: im 18. Jahrhundert ging die Fischerei zurück, und viele Männer fuhren in der Handels- und Küstenschifffahrt.
- Die Seefahrtschule (1872 bis 1934): 1872 erhielt die Insel eine eigene Seefahrtschule, an der viele Insulaner zu Steuermann oder Kapitän ausgebildet wurden; viele zogen danach in die großen Hafenstädte.
Das Koningshuis: im Museum Koningshuis erfahren Sie mehr über die Seefahrtschule, den Walfang, die Strandpfähle und die eigene Inselsprache. Walfänger des 20. Jahrhunderts: zwischen 1946 und 1964 fuhren viele Schiermonnikooger mit dem Fabrikschiff Willem Barendsz in die Antarktis; die Walkiefer im Dorf stammen von einem Finnwal, der am 6. März 1950 gefangen wurde. Raritäten: im RariteitenKabinet Gribus im alten Kolonistenhaus sehen Sie neben Strandgut- und Seefahrtsraritäten auch eine Ausstellung über den Walfang im Südpolarmeer.

Zwei Leuchttürme, Retter und Ertrunkene
Die Sandbänke rund um Schiermonnikoog waren für die Schifffahrt gefährlich, und so erhielt die Insel schon früh Leuchttürme und ein Rettungsboot.
- Eine Leitlinie (1854): 1853 und 1854 wurden zwei Leuchttürme gebaut, die zusammen eine Leitlinie bildeten: wer beide Lichter genau übereinander sah, fuhr sicher an den Sandbänken vorbei.
- Der Noordertoren: der 36 Meter hohe Noordertoren ist noch immer in Betrieb und das Wahrzeichen der Insel.
Der Zuidertoren: der weiße Zuidertoren verlor 1910 seine Funktion und wurde 1950 zu einem Trinkwasserspeicher umgebaut.- Das Rettungsboot: 1830 erhielt Schiermonnikoog sein erstes Rettungsboot, ein Ruderboot, und 1860 das erste Bootshaus, mitten im Dorf, damit das Boot sowohl auf der Nordsee als auch im Wattenmeer eingesetzt werden konnte.
Vredenhof: angespülte Ertrunkene wurden früher in den Dünen begraben; 1917 ergriffen Insulaner die Initiative für den Friedhof Vredenhof, auf dem Opfer beider Weltkriege aus vielen Ländern ruhen.

Der Zweite Weltkrieg
Am 16. Mai 1940 wurde Schiermonnikoog besetzt, und die Insel blieb bis lange nach der Befreiung der übrigen Niederlande in deutscher Hand.
- Bombenangriffe: 1941 kamen bei Bomben auf drei Häuser an der Langestreek fünf Menschen ums Leben, und 1943 starben bei einem Bombenangriff sieben Menschen, darunter der Bürgermeister und seine Frau.
- Radarstation Schlei: nordöstlich des Dorfes bauten die Deutschen das Bunkerdorf Schlei mit einer Radarstation und legten für den Transport von Baumaterial eine Schmalspurbahn an.
Wassermann: der Wassermann-Bunker, ein Teil des Atlantikwalls, ist heute mit 20 Metern über NAP der höchste Aussichtspunkt der Insel.- Flüchtende Nazis (1945): im April 1945 flohen rund 120 SD- und SS-Leute aus Groningen auf die Insel; Ende Mai wurden sie mit einer List aufs Festland gelockt und verhaftet.
- Spät befreit: erst am 11. Juni 1945 verließen die letzten 600 deutschen Soldaten die Insel und gerieten in kanadische Kriegsgefangenschaft.
Vom Badeort zum Nationalpark
Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Badegäste die Ruhe und die Natur von Schiermonnikoog.
- Das erste Badehotel (1887): 1866 wurde eine Badekommission gegründet, und 1887 eröffnete mit Geld von Banck das erste Badehotel mit 60 Zimmern; durch wandernde Sandbänke stürzte es zwischen 1923 und 1925 ein, worauf weiter landeinwärts ein neues Hotel gebaut wurde.
- Pensionen und Sommerhäuser: viele Insulaner eröffneten eine Pension, und ab 1920 entstanden die ersten richtigen Sommerhäuser.
Die Entenkoje (1861): seit 1861 liegt im Kojenwald die Entenkoje De Kooiplaats, die von Natuurmonumenten restauriert wurde.- Der erste Nationalpark (1989): am 19. Juli 1989 wurde der Nationalpark Schiermonnikoog gegründet, der erste Nationalpark der Niederlande im modernen Sinne.
Ruhe und Weite: Besucher lassen ihr Auto auf dem Festland und nehmen die Fähre nach Schiermonnikoog; im Informationszentrum Het Baken lernen Sie den Nationalpark kennen.















